Von Matthias Krueger: "Liebe Forums-Teilnehmer,
nach dem Thread "Dauerhusten" und nachdem ich sehe, wie z. Zt. Eltern unter ihren ständig heftig hustenden Kindern leiden, habe ich eine Information zum Husten erstellt, die ich hier zur Diskussion stellen möchte; das Grundgerüst (muß ich gestehen) hat ein Kollege von mir in einem Pädiater-Intranet zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt...
Viele Fragen:
- Was ist Husten?
- Gibt es verschiedene Arten von Husten?
- Wann sollte bei Husten ein Arzt aufgesucht werden?
- Wie kann ich lindern?
Husten ist ein Reinigungsreflex, er dient der Reinigung der Atemwege. So wie das Niesen die Nase von Fremdkörpern oder Sekret befreit, reinigt Husten die weiter unten liegenden Atemwege. Hierbei gibt es blubbernden, trockenen, bölkenden, feuchten, bellenden, rasselnden, krachenden, brodelnden, kläffenden, usw. Husten.
Es gibt banalen und gefährlichen Husten.
In den allermeisten Fällen ist bei Kindern Husten ein einfaches Zeichen einer einfachen Krankheit im Bereich der Atemwege. Dabei muß Husten nicht zwangsläufig aus den Bronchien oder der Lunge stammen; meist sogar kommt er eher „von oben“! Husten von oben heißt, daß Schleim aus den oberen Atemwegen (Nase und Rachenraum) in den Eingang zu den tieferen Atemwegen (den Kehlkopf) tropft und von dort weggehustet werden muß. Beim Erwachsenen liegt die Luftröhre viel weiter vorn als beim kleinen Kind (sichtbar am „Adamsapfel“ des Mannes); wenn er die „Nase voll“ hat, fließt der Schleim in die Speiseröhre, er schluckt dann einfach das Sekret. Bei Kindern hingegen liegt die Luftröhre weiter hinten, das bewirkt, daß der Schleim dorthin tropft. Es kann also Husten ein einfacher „Abtropf-Effekt“ bei Schnupfen sein! Gerade dieser Husten darf aber (so lästig er auch ist) nicht gestillt werden, da er dafür sorgt, daß der Schleim nicht in die unteren Atemwege kommt.
Husten auch kann ein Zeichen einer Bronchitis darstellen (eines „Schnupfens“ der Bronchien). Auch dieser Husten darf nicht gestillt werden, sonst bleibt Schleim in der Bronchien liegen, der ist dann ein idealer Nährboden für Bakterien, also die Grundlage für eine Lungenentzündung! Manchmal ist in dieser Situation eine Schleimlösung notwendig, die dann sogar zu mehr Husten führen kann (damit der „Dreck“ herauskommt)!
Wenn also eine Hustenstillung nicht sinnvoll ist, wie können Sie als Eltern dennoch Ihrem Kind helfen?
- Das Kind viel trinken lassen
- viel Spazierengehen in frischer (auch kühler!) Luft
- lokale Gabe einer Kochsalzlösung
- die Luft anfeuchten
- physikalische Maßnahmen (lockeres Abklopfen des Brustkorbs)
- für saubere Luft in der Wohnung sorgen (dem Opa die Zigarre aus der Hand nehmen – für die Gesundheit seines Enkels sollte er es zulassen) und –nicht
zuletzt -
- Geduld haben (ein einzelner, einfacher Infekt braucht in der Regel sieben Tage mit Doktor und eine Woche ohne Doktor, um auszuheilen).
Die gern gegebenen ätherischen Öle (z.B. Babix, Stas mild, Pinimenthol etc.) allerdings lieben wir nicht so sehr; sie reizen häufig die Haut (Ausschlag), aber genauso auch die Bronchial-Schleimhaut (Verstärkung einer bronchialen Überreaktion, damit Verschlechterung einer eigentlich einfachen Krankheit).
Im Kleinkindesalter bestehen allerdings häufig sogenannte Infektketten, bei denen sich ein Atemwegsinfekt an den anderen reiht. Das wirkt manchmal für Sie, als sei ihr Kind gar nicht richtig gesund gewesen; wenn Sie aber die letzten Wochen kritisch betrachten, gab es doch immer wieder Situationen, in denen Sie sich sagten: „na, endlich ist es vorbei...“, und ganz kurz darauf ging es wieder los. Dies ist ein normaler (allerdings nicht schöner!) Vorgang, bei dem sich das Abwehrsystem schult. So sind bis zwölf Infekte im Jahr normal; da sie vorwiegend in den sechs Monaten von Oktober bis April auftreten, sind in dieser Zeit alle zwei Wochen eine neue Ansteckung nichts Seltenes.
Es gibt aber auch Husten mit ernsteren Ursachen, dazu zählt der Husten bei
- Lungenentzündung
- obstruktiver Bronchitis (früher gern „spastische Bronchitis“ genannt) und Asthma sowie
- sog. Pseudocroup
Wie können Sie als Eltern diese ernsteren Formen unterscheiden?
Das können Sie nicht; das sollten Sie die Kinderärztin oder den Kinderarzt Ihres Vertrauens entscheiden lassen. Sie sollten aber (im wahrsten Sinne des Wortes) aufhorchen und das Kind zur Untersuchung vorstellen, wenn
- Husten mit Luftnot verbunden ist
- Nebengeräusche beim Ein- oder Ausatmen durch Sie wahrnehmbar sind
- anhaltendes Fieber besteht und/oder
- eine beschleunigte Atmung vorliegt.
In den genannten Situationen wird nach einer Untersuchung des Kindes die vorliegende Krankheit und die daraus folgende geeignete Behandlung mit Ihnen und dem Kind besprochen. Das hat mit der Verordnung von „Hustensäften“ aber nichts zu tun, sondern es geht um eine gezielte Behandlung einer Krankheit!
Gute Besserung wünscht Ihr
Dr. Matthias Krueger
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