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24.Juni 2002: Bücher/Filme/Musik
Am Tor zur Hölle
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Von BR: "Klick mich, um mich zu bestellenUrsprünglich waren die sieben Todsünden ein aus der Bibel abgeleitetes Mittel der Kirche, um die katholischen Gläubigen zu lenken und zu disziplinieren. Papst Gregor I. reduzierte im sechsten Jahrhundert die ursprünglich acht Todsünden auf die bekannten sieben, die sich in der Glaubenswelt vielfach durchsetzten. Nach einigen weiteren kleinen Reformen standen  schließlich Wollust, Völlerei, Geiz, Trägheit, Zorn, Neid und Hochmut auf dieser Liste.

Der US-Molekularbiologe John Medina greift diese in früheren Jahren mit hohen Strafen bewehrte Liste jetzt erneut auf. In seinem Buch Am Tor zur Hölle erklärt er den Lesern die biologischen Grundlagen dieser Verfehlungen und an ihrem Beispiel das Zusammenspiel von Genen und Bewusstsein.

Er verkompliziert seine Ausführungen allerdings, indem er seinen Text eng mit dem 600 Jahre alten Epos Göttliche Komödie von Dante verwebt. Darin schildert der Italiener unter anderem den Zustand der abgeschiedenen Seelen im Jenseits. Die drei Reiche der jenseitigen Welt, die Hölle, das Fegefeuer und den Himmel bevölkert Dante mit Gestalten aus dem Altertum und der antiken Mythologie, den mittelalterlichen Sagenkreisen und dem Volksglauben.

Vor diesem Hintergrund macht sich der Molekularbiologe zum Beispiel auf die Suche nach den Grundlagen des Zorns. Beginnend mit der päpstlichen Definition der Aggression arbeitet er sich über die ersten Studien zur Entstehung der Wut hin zu eingängigen Beispielen. 1979 beispielsweise begannen Forscher in den USA, den Gehalt des Hormons Serotonin im menschlichen Blut zu untersuchen. Dabei fanden sie heraus, dass zu exzessiver Gewalt neigende Soldaten eine biochemische Gemeinsamkeit haben. Diese so genannten Problem-Marines haben allesamt deutlich weniger Abbauprodukte des Serotonins im Blut als andere Menschen. Diese Diagnose ergab sich auch bei tierquälenden Kindern und Verbrechern. Eine wirkliche Ursache ist damit aber noch nicht gefunden.

"Angesichts der vielen falschen Fährten hinsichtlich der Genetik menschlicher Gewalttätigkeit haben wir weitaus mehr Fragen als Antworten", schreibt Medina, der seine Ausführungen mit vielen solcher Beispiele illustriert. Wer diese spezielle Mixtur zwischen Dante, Neurobiologie und Genforschung mag, wird seinen Gefallen am Tor zur Hölle finden, das sicher auch für den Verlag ein Experiment ist.

John Medina: Am Tor zur Hölle - Die Biologie der sieben Todsünden, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin 2002, 24,95 Euro."

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