Ätherische Öle bei Kinder-Infekten
Datum: 23.Februar 2003
Thema: Kindermedizin


Meine Erfahrung bewog mich, einen Text über Sinn und eher Unsinn der so genannten Aromatherapie bei Kindern zu schreiben, der durch die Mitarbeit der Ratio2000-Leserinnen und -Leser vervollständigt und ergänzt wurde; vielen Dank für die Hilfe!

Liebe Eltern,

aus gegebenem Anlass möchte ich Sie über das Thema "Einreibungen" mit Erkältungsbalsam, ätherische Inhalationen etc. informieren.

Wie auch andere Kollegen habe ich zu Beginn meiner praktischen Tätigkeit den Kindern gerne ein ätherisches Öl-Präparat wie Soledum, Pinimenthol, Babix, Stas mild oder etwas Ähnliches verordnet.
Nach einiger Zeit der Niederlassung ist mir aufgefallen, dass ca. 25% der Kinder, die mir eigentlich wegen eines oberen Atemwegsinfektes vorgestellt wurden, dann noch eine Bronchitis bekamen. Dieser so genannte "absteigende Infekt" ist bei 7 - 8 % der oberen Atemwegsinfekte bekannt, aber nicht in der von mir beobachteten Häufigkeit.

Außerdem trat häufiger ein Ausschlag an den Stellen auf, wo das Präparat aufgetragen wurde.
In meiner Ursachensuche fand ich in der medizinischen Literatur die Angabe, dass die ätherischen Öle bei Inhalation zu einer Überreaktion der Bronchien führen können; eigentlich müsste das sogar im Beipackzettel der Präparate aufgeführt sein.

Seitdem verordnete und empfahl ich diese Präparate nicht mehr und fand dabei zwei Sachen heraus:
1. Die Kinder hatten wesentlich seltener bronchiale Reaktionen (max. 10 %) - und
2. ich hatte den Kindern nichts genommen, was sie zum Gesundwerden brauchten.

Das sind die Gründe, warum ich eine solche Therapie nicht mehr empfehle.

Außerdem ist auch zu beschreiben, dass der Effekt, den Sie beim Lutschen z.B. eines Eukalyptus-Bonbons spüren (die Atemwege werden scheinbar freier), lediglich einem Kühleffekt auf den Schleimhäuten entspricht. Durch Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass der Widerstand sich nicht verbessert (wie bei echter Weitung der Atemwege zu erwarten gewesen wäre), sondern sich sogar verschlechtern kann, da die Reizung zu einer vermehrten Durchblutung und dann einer reaktiven Schwellung und dadurch Verengung führen kann.

Zuletzt bitte ich Sie einfach um ein kurzes Nachdenken:
Wenn ich Ihnen für Ihr Kind ein Medikament verordnen würde, bei dem im Beipackzettel stünde, dass bei 20% der Anwendenden Nebenwirkungen auftreten, dann würden Sie dieses Präparat aus Sorge vor einer möglichen Nebenwirkung mit Sicherheit nicht verwenden.

In etwa so hoch liegt die Nebenwirkungsrate der ätherischen Öle ...

Gute Besserung für Ihr Kind!
Ihr Dr. Matthias Krueger

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